Griechen und Geld

19. März 2010

Dass die Griechen nicht mit Geld umgehen können - keinen, der jemals in diesem wunderbaren Land Urlaub gemacht hat, dürfte dies wirklich wundern. Die Griechen, sie haben den heißesten Sommer und den blauesten Himmel, sie haben die rotesten Weine und die schönsten Inseln. Sie sind die Wiege der abendländischen Kultur, der Literatur, der Politik. Aber wie man einen Staat heute organisiert, das ist ihnen fremd. In der EU gibt es tausende Normen, Richtlinien, Gesetze. Es gibt zahllose namenlose Beamten in grauen Anzügen, die festlegen, wie krumm eine Banane sein darf und welche Form ein Wasserhahn haben muss. Wie ein Wasserhahn aussieht, ist in Griechenland wirklich egal. Der Klempner kommt zu dem zuerst, der ihm am meisten zusteckt. Jeder Grieche gibt im Jahr 1350 Euro Schmiergeld aus, es heißt dort Fakelaki, kleiner Umschlag, was für ein nettes Wort für den hässlichen Begriff Korruption. Die EU der genormten Wasserhähne und das Land mit dem blauen Himmel und dem roten Wein, sie passen einfach nicht zusammen.

13-jährige Verbrecher

15. März 2010

Es ist eine Tat, die kaum in Worte zu fassen ist: Zwei Schüler quälen eine 83-jährige Frau stundenlang. Sie schütten ihr Maggi in die Augen. Sie schlagen sie, zwingen sie, einen halben Liter Schnaps zu trinken. Die Täter sind 13! In unserem Land bedeutet das, dass sie strafunmündig sind. Es ist eine Regelung, die wie Hohn erscheint angesichts der Gewaltbereitschaft mancher Jugendlicher. Es ist eine Regelung aus jener Zeit, in der 13-Jährige kurze Hosen getragen haben und heimlich im Hof Händchen hielten mit der Nachbarstochter, wenn die Eltern nicht hinschauten. Aus jener Zeit, in der 13-Jährige eine Ohrfeige vom Vater bekommen haben, wenn sie zehn Minuten zu spät zum Essen kamen. Die 13-Jährigen von heute ziehen sich Gewaltvideos im Internet; sie wissen mehr über Sex als wir. Die 13-Jährigen von heute haben keinen Respekt mehr vor den Vätern, den Erwachsenen, sie nennen sie “Spasten”, “Opfer”. Es ist unerträglich, dass zwei Halbwüchsige eine Oma foltern können und einfach davonkommen, wahrscheinlich sogar ohne Ohrfeige. Wir brauchen endlich Gesetze, die sich an der Wirklichkeit orientieren, auch wenn sie schrecklich ist.

Unbelehrbare Fifa

09. März 2010

Der Weltverband Fifa hat jetzt, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, ein Streitthema beendet, das die Fans seit Jahren bewegt: Es wird keine technischen Hilfsmittel im Fußball geben. Ende der Diskussion. Es ist ein unerträglich arrogantes Vorgehen der Fifa-Funktionäre. Denn es geht um mehr als einen Chip im Ball oder eine Torkamera unter der Querlatte. Es geht um Sieg oder Niederlage, Auf- und Abstieg. Es geht um Existenzen. Es geht um Millionen. Nicht, dass wir diese Entwicklung gutheißen würden. Aber die Fifa hat den Wandel vom Hobbysport zum weltweiten Business doch erst vorangetrieben. Sie selbst hält mit dieser Entwicklung nur nicht Schritt. Sie setzt Schiedsrichter ein, die Abseits laufen lassen und Linienrichter, die nicht erkennen, wenn ein Ball zehn Zentimeter hinter der Torlinie aufkommt. Es gibt Menschen, die nur darauf achten, dass sich ein Trainer in einer so genannten Coaching Zone aufhält. Aber es gibt niemanden, der endlich Gerechtigkeit schafft im Fußball, wenn ein Schiri nichts sieht, obwohl es um alles oder nichts geht.

Einladung für Terroristen

03. März 2010

Deutschland ist schon ein wunderbares Land. Jeder kann gegen alles klagen, wenn es sein muss, sogar bis vor das Bundesverfassungsgericht, unser Grundgesetz will es so. Das Problem ist nur, dass sich die Welt verändert hat seit 1949. Natürlich kann man über die Vorratsdatenspeicherung streiten. Auch ich finde die Vorstellung nicht besonders angenehm, dass meine Telefonate womöglich monatelang auf irgendeinem Server bleiben. Aber ich bin kein Terrorist. Ich fürchte mich mehr vor ein paar Irren, die einen Anschlag in einem Zug verabreden als vor der Speicherung meiner belanglosen Daten. Das Urteil der Verfassungsrichter, es ist mal wieder ein deutsches Urteil. Es ist das Urteil eines wunderbaren Landes, in dem man sich über den Datenschutz aufregt, während uns die Kriminellen und die Verrückten auslachen!

Der Tod des Fußballs

28. Februar 2010

Die Vorfälle von Bochum, sie werfen ein schlechtes Licht auf die Fans des 1.FC Nürnberg, wieder einmal. Das ist insofern sehr schade, weil es – auch und gerade beim Club – viele Menschen gibt, die wegen eines simplen Fußballspiels hunderte von Kilometern fahren und Geld dafür ausgeben, jenen Verein zu unterstützen, den sie so sehr lieben. In letzter Zeit aber hat man mehr und mehr den Eindruck, dass sich die Anhängerschaft des FCN in zwei Lager teilt. Und während auf der einen Seite die überwiegende Mehrzahl am bloßen Sport interessiert ist, jubelt und schreit und vielleicht auch mal schimpft, feiert sich die andere Seite lieber gleich selbst. Niemand kann allen Ernstes behaupten, Pyrotechnik diene einer wirkungsvolleren Unterstützung der eigenen Mannschaft. Knallkörper und Fackeln, die 3000 Grad heiß werden, haben in einem Stadion, in dem Kinder sitzen und alte Menschen, absolut nichts verloren. Jetzt ist der Verein gefordert, sicherzustellen, dass die Lagerbildung auf den Rängen nicht weiter voranschreitet. Sonst hat der normale Fan irgendwann keine Lust mehr auf einen Stadionbesuch. Oder noch schlimmer: Angst davor! Das aber wäre der Tod des Fußballs.

Käßmanns Rücktritt

24. Februar 2010

Der Rücktritt von Margot Käßmann - er ist einerseits konsequent. Andererseits ist er aber auch sehr, sehr schade. Unsere Kirchen haben, bei allem anderen Irrsinn, vor allem das Problem, dass sie sich immer weiter von den Menschen entfernt haben und von Gott. Bischöfin Käßmann ist anders gewesen als die anderen Glaubens-Funktionäre. Sie ist geschieden, sie war krebskrank, sie ist eine Frau des deutlichen Wortes. Es ist ein Irrglaube, dass Bischöfe, dass Kirchenmenschen unfehlbar sind. Es hat der Kirche, in diesem Fall der evangelischen, gut getan, einen fehlbaren Menschen wie Margot Käßmann an der Spitze zu haben. Es ist jammerschade, dass Millionen Christen wegen ein paar Gläsern Wein und einer riesengroßen Dummheit auf jemanden wie Bischöfin Käßmann verzichten müssen. Es ist davon auszugehen, dass Gott die Gescheiterten lieber mag als die Schwätzer und die Lügner. Er hätte bestimmt ein Auge zugedrückt.

Ein Fußball-Wunderchen

21. Februar 2010

Für einen speziellen Aufkleber oder ein eigens gedrucktes T-Shirt wie bisweilen nach großen Spielen dürfte das 1:1-Unentschieden gegen den FC Bayern wahrscheinlich nicht ganz ausreichen. Aber zumindest ein Fußball-Wunderchen ist der Punktgewinn gegen die Münchner schon gewesen für unseren Club! Denn wann hat der 1.FCN jemals eine solch imposante Siegesserie bei einem Gegner beendet – wo doch normalerweise Nürnberg von der versammelten Konkurrenz eher als dankbarer Aufbaugegner nach endlosen Negativerlebnissen geschätzt wird. Was der so erfreuliche 17. Zähler in dieser Spielzeit wirklich wert war, wird sich frühestens am kommenden Wochenende und spätestens am Ende der Saison zeigen. Noch ist es schließlich ein hartes Stück Arbeit für Dieter Hecking und sein tapferes Team, den Klassenerhalt zu erreichen. Möglich aber ist der auf jeden Fall. Und wenn wir am 8. Mai nach dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln tatsächlich den Verbleib in der Bundesliga feiern könnten, wäre das ein weiteres, kleines fränkisches Fußball-Wunder. Dann aber würden wohl tatsächlich Aufkleber und T-Shirts gedruckt werden, endlich mal wieder…

Die Hartz-Debatte

16. Februar 2010

Es gibt Menschen, die 45 Jahre gearbeitet haben in ihrem Leben und deren Rente trotzdem nicht reicht für Miete, Strom, Heizkosten, Essen. Und es gibt Menschen, die auf einen Job keine Lust haben; die es sich bequem machen im Auffangnetz unseres Staates. Das Problem an der Hartz-Debatte ist, dass kein Betroffener wie der andere ist. Es gibt 6,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland. Es sind 6,5 Millionen Einzelfälle. Es sind furchtbare Schicksale darunter, Menschen, die ohne Not den sozialen Abgrund heruntergerutscht sind - und schreckliche Schmarotzer, die den ganzen Tag vor der Glotze hocken und saufen und rauchen und eine ALDI-Kassiererin auslachen, die 1300 Euro brutto im Monat verdient. Hartz IV ist weder gerecht, noch ungerecht: Es ist ein bürokratisches Monstrum, das den Mitarbeitern von Sozial- und Arbeitsamt die Zeit raubt mit seinen hundert Anträgen und Unterparagraphen. Was wir brauchen ist kein neues Sozialsystem, sondern Menschen, die Zeit haben, sich um jeden einzelnen Fall zu kümmen. Menschen, die die Zeit haben, den Armen zu helfen und die Faulen auszusortieren.

Endlich Fasching!

11. Februar 2010

Krawatten fallen, Weiber kreischen - Bauchredner, die nach Beifall heischen;

Es sind, man spürt sie schon, die Plage - endlich wieder “Tolle Tage”.

Bei uns in Franken, ja net lache - ist Fasching eine ernste Sache!

Mir stelle zum Beweis anheim: Man kann auch mit Schnaps lustig sein!

Polonaisen, Büttenreden - der Prinz benimmt sich voll daneben.

Der Präsident, kurz vor dem Siechen - befummelt alle Tanzmariechen.

Zu guter letzt spielt die Kapelle - und es regnet noch Kamelle.

Verzeihet mir die kleine Weise: Doch ich find Fasching einfach scheiße.

Drum setz ich mich aufs Sofa drauf. Und steh erst Mittwoch wieder auf…

Tusch

Der unlautere Streik

05. Februar 2010

Zurzeit wird wieder gestreikt in Deutschland. Wir haben Angst, ob wir rechtzeitig zur Arbeit kommen, ob unser Flieger startet, ob der Müll abgeholt wird. Es geht um den Tarifstreit im öffentlichen Dienst. Es geht um fünf Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten. Das Problem ist, dass diese fünf Prozent von den Kommunen bezahlt werden müssen. Es sind die Kommunen, die kein Geld mehr haben, um die ganzen Schlaglöcher auszubessern; die Kommunen, die aus Finanznot Schwimmbäder dichtmachen müssen und Bibliotheken. Es ist in Ordnung, wenn Menschen mehr Geld bekommen, wenn ihr Unternehmen einen dicken Gewinn einfährt; wenn sie partizipieren am Erfolg ihrer Firma. Die Firma der Beschäftigten im öffentlichen Dienst aber ist pleite. Es ist unlauter, die Hand aufzuhalten, wenn die eigene Firma am Abgrund steht.

Die Steuersünder-CD

31. Januar 2010

Wir Ottonormalsteuerzahler bekommen jeden Monat bei unserer Gehaltsabrechnung feuchte Augen. Wir zahlen Einkommensteuer, Kirchensteuer, Soli, Sozialabgaben, es ist furchtbar. Vom Rest müssen wir unsere Miete zahlen und unser Auto und sparen, damit wir an zwei Wochen im Jahr im Meer baden gehen dürfen. Ein paar Zehntausend reiche Deutsche aber haben beschlossen, dass diese Regeln für sie nicht gelten. Sie schaffen ihre Kohle ins Ausland, sie lachen den Staat aus und die Finanzämter und uns Normalos. Sie verschleiern und betrügen und haben dabei nicht einmal ein schlechtes Gewissen. Es ist unerträglich, dass Ärzte, Manager, Unternehmer eine Million verdienen und davon eine Million behalten wollen. Die neue CD mit Steuersünder-Daten; sie muss besser heute als morgen gekauft werden, bevor die Gierigen ihre Taten noch verwischen können. Es ist vollkommen egal, ob der Ankauf von solchen Informationen möglicherweise nicht rechtens ist oder irgendein Datenschutzbeauftragter Bedenken äußert. Es ist das Geld von uns Steuerzahlern, das da auf Schwarzkonten in der Schweiz lagert. Unser Finanzminister hat die verdammte Pflicht, es zurückzuholen.

Ein Mörder ist frei!

26. Januar 2010

Freispruch. Für die Angehörigen des Opfers ist es ein furchtbares Wort. Ein Wort, das alte Wunden wieder aufreißt. Ein Wort, das jedes grausame Detail wieder lebendig werden lässt. Nur Susanne M., jene Frau, die vor über zehn Jahren in einer Erlanger Tiefgarage brutal erstochen worden ist, sie wird nicht mehr lebendig werden. Juristisch gesehen ist das Gericht zu einem klaren Urteil gekommen: Die Beweise gegen den Angeklagten haben einfach nicht ausgereicht für einen Schuldspruch. Unser Rechtsstaat basiert nun einmal auf dem Grundsatz, lieber einen Schuldigen frei herum laufen zu lassen, als einen Unschuldigen einzusperren. Das ist das Schlimme am Beruf des Richters: Es ist vollkommen egal, was er fühlt, was er glaubt, was er spürt. Er muss sich an die Fakten halten, an die Akten und die Protokolle und die Zeugenaussagen. Wissen was passiert ist, das kann auch ein Richter nicht. Er weiß nur, dass der Mörder jetzt ganz sicher noch frei herumläuft. Es ist eine scheußliche Gewissheit.

Der Tod der vermissten Maya

22. Januar 2010

Jetzt ist es Gewissheit: Studentin Maya ist tot, sie ertrank in der eiskalten Pegnitz. Der Fall, er macht uns betroffen, weil es kein Fall wie jeder andere war. Überall haben Mayas Freunde Plakate aufgehängt, sie haben im Internet eine Seite eingerichtet, sie haben gehofft und gebetet. Mayas Gesicht ist für uns so zu einem vertrauten Gesicht geworden in diesen ungewissen Wochen. Nun scheint festzustehen, dass sie keinem Verbrechen zum Opfer fiel, dass sie aus freien Stücken ins Wasser ging. Das ist einerseits beruhigend, weil wir keine Angst haben müssen vor einem irren Mörder, der am helllichten Tat Mädchen verschleppt. Auf der anderen Seite aber macht es das Ganze noch bedrückender, weil wieder einmal klar zu sein scheint, dass man in einen Menschen nicht hineinschauen kann. Dass sich praktisch niemand vorzustellen vermochte, dass die Seele dieser so lebensfrohen Frau womöglich einen tiefen Abgrund hatte. Was wir aus dieser traurigen Gesichte mitnehmen können ist, dass wir vielleicht doch versuchen müssen, ein bisschen genauer hinzuschauen. Hinzuschauen, ob hinter einem Lächeln eine Träne fließt.

Ach, Club!

18. Januar 2010

Es ist beim Spiel auf Schalke gewesen wie so oft in den letzten Jahren. Der Club hat gut gespielt, die besseren Chancen gehabt und ist am Ende doch leer ausgegangen. Das kennt man beim 1. FC Nürnberg, zum Beispiel aus der Saison 2007/2008 oder der Saison 1998/1999 oder der Saison 1993/1994. Immerhin hat es einen Unterschied gegeben zu den letzten Auftritten unter Turnlehrer Michael Oenning, als der Club am Ende ebenfalls leer ausgegangen ist, zuvor aber ganz und gar lausig gespielt hat. Nun hat diese Rückrunde noch 16 Spieltage und somit der FCN noch 16 Chancen, ein gutes Spiel zu gewinnen oder auch ein schlechtes Spiel, wenn es denn sein muss. Nur anfangen müssten sie langsam mal, die Jungs von Dieter Hecking. Denn spektakuläre Aufholjagden, endlose Siegesserien und beeindruckende Überraschungserfolge sind diesem Verein leider noch so gut wie nie gelungen. Es wäre schön, wenn die wechselvolle Geschichte dieses Vereins um ein solches Kapitel erweitert würde.

Die Lage der CSU

15. Januar 2010

Horst Seehofer hat von einem Aufbruchsignal gesprochen, Georg Schmid von neuem Mut, Alexander Dobrindt von Zuversicht. Diese drei Herren sind wesentliche Mandatsträger der CSU, und mit ihren Sätzen kommentieren sie eine Umfrage, wonach ihre Partei auf 41 Prozent kommt. Nun wären 41 Prozent für SPD und CDU Ergebnisse, auf die man stolz sein könnte. Bei der CSU aber muss man wissen, dass das der niedrigste Wert ist, der jemals für die Christsozialen gemessen wurde; dass für solch ein Ergebnis ein Parteichef, ein Fraktionsvorsitzender und ein Generalsekretär früher in einem Aufwasch aus dem Land gejagt worden wären. Es ist Bayern nicht schlecht gegangen in all den Jahren, in denen die CSU das Land alleine regiert hat, und es wird Bayern vermutlich auch in Zukunft nicht schlechter gehen. Aber man muss diese Partei nicht einmal mögen, um zu wissen, dass irgendetwas ein für alle Mal zu Ende gegangen ist; spätestens jetzt, da man 41 Prozent als Erfolg werten mag. Das politische Bayern ist endgültig nichts Besonderes mehr, es hat jetzt eine Regierung wie alle anderen. Franz Josef Strauß dürfte sich im Grab herumdrehen, und man weiß nicht so recht, ob man darüber lachen oder weinen soll.