Das Internet hat in den letzten Jahren schon viele Segnungen über unsere bis dato doch recht zurückgebliebene Gesellschaft hereingebracht. So werden zum Beispiel endlich auch Acht- bis Zehnjährige über unterschiedliche Sexualpraktiken aufgeklärt, lernen wissbegierige Schüler durch nächtelange Onlinespiele wichtige Fakten über Nahkampfwaffen oder können wir unserem Nachbarn vom Satelliten aus beim Nacktbaden im Gartenpool zuschauen. Daher finden wir es äußerst begrüßenswert, dass nach der Suchmaschinen-Manufaktur Google nun auch noch der Software-Mittelständler Microsoft mit Kameras unsere weiteren und womöglich auch näheren Lebensumstände abfilmen will. Schließlich haben wir uns schon immer gefragt, warum wir unsere Haustür nicht auch einem japanischen Computernutzer zugänglich machen sollen, rein virtuell versteht sich. Ach so – wehren können wir uns gegen die Microsoft-Spione vorerst übrigens nicht. Aber eins können wir zumindest machen, wenn ein solcher Wagen an uns vorbeifährt, und zwar ganz ohne Formular: Zeigen wir einfach mit unserem Mittelfinger, was wir von diesem Schmarrn halten!
Microsoft-Spione unterwegs
22. Mai 2011Blöde Sommerpause
15. Mai 2011Jetzt ist sie also vorbei, die 48. Saison der Fußball-Bundesliga, und aus Sicht von uns Club-Fans ist es unter dem Strich eine sehr schöne Saison gewesen. Der FCN hat den sechsten Platz belegt und 13 teils sehr ansehnliche Siege eingefahren. Der große Rivale aus München ist deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und allerorten ist das große Chaos ausgebrochen, nur eben nicht am Valznerweiher. Es hätte also gerne noch ein wenig so weitergehen können, aber der DFB hat dummerweise auch in diesem Jahr eine Sommerpause angesetzt, die bis zum 6. August dauert - und damit eine gefühlte Ewigkeit. Was sollen wir nur machen an all den Samstagen, die in den kommenden Monaten auf uns warten? Den Garten pflegen, die Tante besuchen, Wandern gehen? Oder das Fahrrad reparieren, das Bad streichen, den Keller entrümpeln? Es ist eine grauenhafte Vorstellung, die Wochenenden so ganz ohne Fußball zu verbringen; jetzt, da es doch so viel Freude gemacht hat, der Bundesliga im Allgemeinen und dem 1. FC Nürnberg im Besonderen beim Spielen zuzusehen. Das ist leider der Nachteil an einer solchen Saison, wie sie der Club in diesem Jahr absolviert hat: dass man die blöde Sommerpause nicht mal zum Erholen braucht. Uns ist ja jetzt schon langweilig!
Gunter Sachs und die teuflische Alzheimer-Krankheit
09. Mai 2011Gunter Sachs hat seinem Leben ein Ende gesetzt, weil er Angst vor Alzheimer hatte. Es ist eine berechtigte Angst gewesen. Das Schlimme an dieser teuflischen Krankheit ist, dass sie sich in unsere Köpfe hineinschleicht. Dass es beginnt mit einem verlegten Schlüssel, einem vergessenen Geburtstag, der Suche nach einem alltäglichen Wort. Es endet damit, dass man in die Windel scheißt wie ein Baby und seine eigenen Kinder nicht mehr erkennt. Niemand kann ein Dasein in einer solchen Dunkelheit fristen wollen, als Geisel in einer Hülle, die so aussieht wie unser Körper. Aber so lange wir noch einen einzigen klaren Gedanken fassen können, klammern wir uns an das Leben; an die Sonne, an die Liebe, an den Wein. Gunter Sachs hat sich zu einem Zeitpunkt erschossen, als noch genug Leben übrig war, einen solchen klaren Gedanken fassen zu können, als noch Sonne da war und Liebe und Wein. Man kann sich nur wünschen, auch einmal so viel Mut zu haben wie dieser Mann, bevor die furchtbare Alzheimer-Krankheit unser Gehirn zersetzt und die Sonne verschwindet.
Danke, Marek
08. Mai 2011Nun also ist der Tag gekommen, vor dem die meisten von uns Club-Fans seit einiger Zeit schon ein bisschen Bammel hatten. Es ist der Tag, an dem wir uns von Marek Mintal verabschieden mussten. Welchen Status dieser schüchterne Slowake, der am 4. August 2003 zum ersten Mal das Club-Trikot trug, acht Jahre, rund 200 Spiele und über 70 Tore später haben sollte – es ließ sich an jenem Montagabend in Karlsruhe nicht erahnen. Mintal gab ein passables Debüt, der FCN gewann 3:2, doch im Mittelpunkt standen andere: Oldie Sasa Ciric etwa, der das entscheidende Tor schoss oder der junge Torwart Raphael Schäfer, der den Sieg festhielt. Eine gewisse Unauffälligkeit ist Marek Mintals Markenzeichen geblieben. Er hat nie ein großes Aufhebens um sich gemacht. Nicht, als er die Torjägerkanone in der zweiten und im Jahr darauf auch in der ersten Liga holte. Nicht, als er sich den Fuß brach, monatelang ausfiel und im ersten Spiel nach seiner Rückkehr dieselbe Verletzung wieder erlitt. Nicht, als er mit seinem Tor zum 1:1 im Pokalfinale den Grundstein zum größten Club-Erfolg seit 1968 legte. Mintal hat sich eben auch deshalb einen Platz in unseren Herzen erobert, weil er anders ist als viele andere Profis von heute. Weil er Werte verkörpert, die dem Fußball ein wenig abhanden gekommen sind: Beständigkeit, Ehrlichkeit, Treue. Natürlich haben wir auch gesehen, dass die letzten ein, zwei Jahre eine Qual waren. Dass selbst bei einem wie Marek Mintal einmal unweigerlich die Zeit kommt, wo es womöglich nicht mehr reicht, für das immer schnellere, immer härtere Geschäft Bundesliga. Ihm ist zu wünschen, dass er noch eine Zeit woanders jubeln darf, in seiner unvergleichlichen Art; so, wie ein kleiner Junge das tut. Dem 1. FC Nürnberg indes wünschen wir, dass Mintal einmal wiederkommt, in welcher Funktion auch immer. Acht Jahre sind eine lange Zeit. Heute aber fühlen sie sich verdammt kurz an. Drum bringen wir’s schnell hinter uns, sonst spielen uns unsere Gefühle noch einen Streich: Mach’s gut Marek. Und danke für alles!
Club-Fans: Nicht traurig sein!
02. Mai 2011Am 28. August 2010 war die Saison für die meisten Club-Fans schon wieder gelaufen. An jenem zweiten Spieltag hat der 1. FC Nürnberg sein erstes Heimspiel ausgetragen. Er hat es 1:2 verloren, gegen den potenziellen Abstiegskonkurrenten SC Freiburg. Es schien also alles wie fast immer zu laufen in den letzten 30, 40 Jahren: Es würde ein Jahr voller Angst und Ärger und Entbehrungen werden, und man würde am 7. Mai 2011 höchstwahrscheinlich mit einem ganz schlechten Gefühl im Magen und einem Radiogerät am Ohr zum 17. und letzten Heimspiel ins Stadion gehen müssen. Es ist bekanntlich anders gekommen, die Anhänger des FCN haben wochenlang sogar von der Europa Liga träumen dürfen. Dass dieser Traum nun, seit Samstag, wohl vorbei ist - es ist kein Grund zum Traurigsein. Denn Trainer Dieter Hecking und seine Mannschaft haben Großes geleistet in diesem Jahr. Sie haben wunderbare Spiele abgeliefert und nahezu historische Siege gefeiert; das 2:1 gegen Schalke war darunter, das 3:2 in Bremen oder das 5:0 gegen St. Pauli. Wenn es nun also am Samstag gegen Hoffenheim aller Voraussicht nach um nichts mehr geht außer darum, dem fränkischen Fußballhelden Marek Mintal einen würdevollen Abschied zu bereiten, dann ist das für diesen Verein und seine Möglichkeiten eine nahezu unglaubliche Entwicklung. Freilich ist es sehr wahrscheinlich, dass diese jetzt ein wenig ins Stocken gerät, dass es in der nächsten Saison kaum so hoch hinauf geht wie in diesem Jahr. Womöglich schimpfen wir also am 6. oder 13. August, wenn das erste Heimspiel ansteht, dass alles wieder so laufen könnte wie fast immer in den letzten 30,40 Jahren. Und wir wären wieder recht glücklich, wenn wir auch am 5. Mai 2012 kein Radiogerät brauchen würden!
Kate & William: Das Märchen vom Aschenputtel
27. April 2011In den letzten Wochen haben wir fassungslos nach Japan geschaut, voller Angst vor dem Atom-Wahnsinn. Wir haben uns geärgert über den Schwachsinn mit diesem Bio-Benzin, wir sind schockiert über die blutige Gewalt in Libyen, Syrien, dem Jemen. Die Welt, so scheint es, ist wieder ein wenig dunkler geworden in diesem Jahr, und wir wissen nicht, wie schlimm alles noch kommen wird. Morgen nun heiraten zwei junge Menschen in London. Zwei Milliarden Menschen werden dabei vor den Fernsehschirmen sitzen, gerührt, ergriffen, bewegt. Sie werden sich Taschentücher bereitlegen und zuschauen, wenn Aschenputtel seinen Prinzen heiratet; ein bürgerliches Mädchen, das einmal Königin von England sein könnte. Es ist vielleicht das älteste, das banalste Märchen der Welt, das da am Freitagmittag in Westminister Abbey aufgeführt wird, so kitschig, so zuckersüß wie es nur geht. Aber dass in einer Welt voller Angst, voller Idioten und voller Gewalt eine solche Geschichte unzählige Menschen vom atomverseuchten Japan bis zum Benzin-Krisenland Deutschland verzaubern kann – das ist ein gutes Zeichen. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir noch verrückt genug sind, an das Gute zu glauben.
Seltene Vorfreude auf den Club
22. April 2011In den letzten vier Jahrzehnten hat es zu diesem Zeitpunkt der Saison ziemlich wenige Heimspiele gegeben, auf die man sich so sehr freuen hat dürfen wie auf die Partie gegen Mainz am Ostersonntag. Denn meist ist es in all den Jahren um recht existenzielle Fragen im Frühjahr gegangen, in der Regel also um Auf- oder Abstiege, welche nichts weniger bedeutet haben als eine Weichenstellung für die nähere Zukunft dieses Vereins. Unter diesen üblichen Voraussetzungen sind der Club und mit ihm seine diesbezüglich arg gebeutelten Fans auch in dieses Fußballjahr gegangen, und nur die größten Optimisten hätten vermutet, dass der Klassenerhalt an diesem 31. Spieltag schon gesichert ist. Nun aber geht es am Sonntag wieder um die nähere Zukunft dieses Vereins, sie könnte tatsächlich im Europapokal liegen. Es grenzt also an ein Wunder, was in den vergangenen zwölf Monaten passiert ist, man muss sich eigentlich ständig kneifen und sich die Augen reiben, um es zu begreifen. Das Schönste aber ist, dass es im nächsten Jahr wieder gegen die Bayern, gegen Hamburg oder Dortmund geht, selbst wenn es am Ende nicht klappen sollte mit dem ganz großen Traum, selbst wenn das Spiel am Sonntag verloren geht. Und das, das wäre ganz sicher auch etwas, auf das man sich einfach freuen dürfte!
Der Traum vom Max-Morlock-Stadion
14. April 2011Ohne viel Geld, so ist das im Fußball, geht es schon lange nicht mehr. Und deshalb zieren eben Energiekonzerne und Banken und Supermarktketten die Trikots; deswegen heißen die Stadien nach Versicherungen und Automarken. Das Ganze ist ein furchtbarer Zwiespalt: Auf der einen Seite möchten wir die stolze Tradition erhalten und die Seele unserer Vereine. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch gegen die Bayern spielen und gegen Dortmund und gerade nicht gegen Paderborn und Aue. Und wir wollen dabei womöglich auch jenen Spielern zuschauen, die ein, zwei Millionen Euro im Jahr verdienen. Insofern haben wir in Nürnberg zähneknirschend gelernt, mit lauter Sponsoren zu leben, obwohl es in dieser Stadt zum Beispiel für ein Stadion keinen schöneren Namen geben kann als den des größten Helden, den Frankens Fußball jemals hervorgebracht hat. Wenn nun aber tatsächlich ein Modell funktionieren könnte, durch das wir Fans durch unseren eigenen Beitrag künftig ins Max-Morlock-Stadion pilgern können, dann könnte dies tatsächlich ein großer, ein historischer Moment sein: dass in diesem Sport viel Geld fließt, für das sich diesmal niemand schämen muss.
Der Club, die Zufälle und das Glück
11. April 2011In der Saison 2008/2009 ist der Club zum siebten Mal in die Bundesliga aufgestiegen, im vergangenen Jahr hat er dort gerade mal 32 Punkte in 34 Spielen geholt. Nur zwei Relegationsrunden haben also in der letzten Zeit eine erneute kollektive Depression in Fußball-Franken vermieden. Und hätten sich heuer nicht ein paar Stammspieler verletzt, niemand würde wohl von Nachwuchskräften wie Philipp Wollscheid schwärmen oder Timothy Chandler oder der famosen Leihgabe Julian Schieber. Man darf also, ohne jemandem zu nahe zu treten, durchaus behaupten, dass der aktuelle Erfolg auch ein bisschen Zufall gewesen ist und ein bisschen Glück, und es ist keine Schande Glück zu haben, das man vielleicht auch ein Stückweit erzwingen kann. Das Schlimme ist nur, dass einem in der Bundesliga nicht einmal mehr das vergönnt ist, dass sofort die Scouts auf den Tribünen sitzen und die Manager mit den Scheckbüchern wedeln und die jungen Kerle und ihre Berater verrückt zu machen drohen. Das geht unserem FCN so und wohl auch den Freiburgern, den Mainzern und all den anderen, die eben jeden Euro brauchen weil sie niemals in der Champions League spielen dürfen und keinen Autokonzern im Rücken haben, keine Russen und keine Scheichs. Es ist eine grauenvolle Vorstellung, dass sich das nie ändern wird, dass man hier immer nur auf die Zufälle und Glück hoffen muss, wohlwissend, dass man sich darauf nicht verlassen kann!
Der Hoeneß-Skandal
04. April 2011Es gibt viele Gründe, sich an Uli Hoeneß zu reiben. Nicht nur wir Club-Fans haben ihn deshalb als Feindbild auserkoren, weil er den durchschnittlichen Fußballverein FC Bayern München, der nicht einmal aufgenommen wurde in die Gründungsmitglieder der Bundesliga, zum FC Bayern gemacht hat. Jenem Verein, der in den Siebzigern alleine fünf Mal Deutscher Meister wurde, als unser 1. FC Nürnberg ein Jahrzehnt lang in der Zweitklassigkeit verschwunden war. Jenem Verein, der in den Achtzigern und Neunzigern den anderen Klubs die besten Spieler einfach wegkaufen konnte, bei uns waren es zum Beispiel Dorfner, Schwabl, Grahammer, Reuter, Wiesinger, Sutter. Jenem Verein, dem so viele Tore in der letzten Sekunde gelangen und der so viele Schmerzen auf der anderen Seite zurückließ. Ohne Uli Hoeneß, das kann man mit Fug und Recht behaupten, wäre der FC Bayern München nichts anderes als die Leverkusens, Hamburgs, Bremens der Liga; mal oben, mal unten. Eigentlich müsste man sich also schadenfreuen, dass dieser Uli Hoeneß nun von den eigenen Anhängern beschimpft wird, dass er ein Lügner genannt wird und ein Verräter, weil er seinem FC Bayern den besten deutschen Torwart kaufen und den ärgsten Rivalen nicht untergehen lassen will. Tatsächlich aber schämt man sich sogar als Club-Fan dafür, dass Schmährufe gegen einen Mann kommen, der vielleicht polarisiert wie kein anderer. Der aber für seinen Verein alles getan hat. Niemals, wirklich niemals hätten wir gedacht, dass wir diesen Satz jemals schreiben. Aber dieser FC Bayern, der FC Bayern München von heute, er hat Uli Hoeneß nicht mehr verdient.
Die Lehren der Wahl
28. März 2011Die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz - es sind die vielleicht außergewöhnlichsten Wahlen der jüngeren deutschen Geschichte gewesen. Sie sind nicht beeinflusst worden von Arbeitsmarktzahlen und Wirtschaftspolitik, von Slogans und Kampagnen. Sie sind beeinflusst worden von einer Jahrhundert-Katastrophe 9000 Kilometer entfernt. Dass sich nun die gesamte politische Landschaft in Deutschland verändert, bloß weil ein Grüner das erste Mal Ministerpräsident eines Bundeslandes wird, darf getrost bezweifelt werden; zu kurzfristig werden sich wohl auch künftig Stimmen und Stimmungen verschieben. Wünschenswert wäre es allerdings, wenn die Ereignisse in Japan und die Lehren daraus zumindest die politische Kultur dieses Landes beeinflussen. Erstens, weil nun eine Partei zeigen muss, dass dagegen sein allein kein wirkliches Konzept ist. Und zweitens, noch viel wichtiger: Weil der Wähler eindrucksvoll bewiesen hat, dass er längst nicht so dumm und leichtgläubig ist, wie mancher Mandatsträger geglaubt hat.
Eisbären-Babys: Unnatürliche Natur?
24. März 2011Die Berliner weinen um ihren gestorbenen Eisbären Knut. Wir Nürnberger freuen uns über die ersten Gehversuche von Flockes Brüdern Aleut und Gregor. So nah liegen Leben und Tod auch dort beieinander, wo die Natur eigentlich nicht natürlich ist. Denn das kann sie nicht sein in einem Zoo. Im Fall eines Eisbären sieht das so aus: In Wirklichkeit leben diese Tiere in der Arktis. Sie jagen Robben, ihr Revier ist 150 Kilometer lang. Sie werden niemals in ihrem knapp 30-jährigen Leben einen Menschen sehen. Knut drehte sich auf einem Steinfelsen zwanzig Mal im Kreis, bevor er ins Wasser fiel und ertrank. Flocke bekam die Flasche, sie spielte mit einem Fußball, ihre Mutter sah sie nur durch eine Scheibe. Vor den Gehegen waren Zuschauertribünen installiert, die Kameras klickten zigtausenfach. Trotzdem: Ein Tierpark hat eine Berechtigung! Das eine Argument ist, dass Knut, Flocke und die Bärenzwillinge die echte Natur gar nicht kennen. Das andere: Die echte Natur wird vom Menschen überall kaputt gemacht. Ohne Zoos gibt es vielleicht irgendwann überhaupt keine Eisbären mehr, keine Elefanten, keine Tiger. Es ist entsetzlich traurig, dass wir Menschen so dumm sind, dass wir Tiere einsperren müssen, um sie zu retten.
Club: Die Rückkehr zur Normalität
20. März 2011Es ist schon ein wenig sonderbar gewesen für uns Club-Fans in den letzten Wochen, vor allem aber so schön: Seit dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach hat der 1. FC Nürnberg nicht mehr verloren gehabt, es war der 15. Januar, jetzt ist Frühling. Wir haben berauschende Spiele gesehen und herrliche Tore, wir sind uns in den Armen gelegen und haben ungläubig auf die Tabelle geschaut, in der der FCN immer höher geklettert ist. Wir haben natürlich gewusst, dass es nicht immer so weitergehen kann, dass irgendwann der Moment kommen würde, an dem aus unserem unbesiegbaren Club wieder ein normaler Bundesligaverein wird. Am Samstag nun ist dieser Moment eingetreten; die Mannschaft hat einen lausigen Fußball gespielt und der entsetzliche Schiedsrichter hat noch das Seine dazu beigetragen. Es ist also für uns Anhänger beinahe alles wieder so gewesen wie früher. Bloß mit dem Unterschied, dass nach solch berauschenden Wochen eine Niederlage gar nicht mehr so weh tut. Auch das ist ein sonderbares, ein schönes Gefühl.
Die Lehre aus der Japan-Katastrophe
14. März 2011Die Naturkatastrophe in Japan, sie ist eigentlich schon schlimm genug. Das stärkste Erdbeben der letzten paar hundert Jahre, eine Killer-Welle, die ganze Städte fortspült wie ein Regenguss zu Boden gefallenes Laub. Noch viel schlimmer aber ist, dass wir erkennen müssen, dass die Kernenergie nicht berechenbar ist und tatenlos zusehen, wenn Sicherheitssysteme versagen und Reaktoren brennen. Das Problem ist nur, dass wir die Atomkraft noch dringend brauchen. Wir können unsere AKWs nicht einfach abschalten, denn wir sitzen den halben Tag vor dem Computer, wir schalten unseren Fernseher aus Bequemlichkeit auf StandBy, wir haben einen halbvollen Kühlschrank im Haus und eine Gefriertruhe, die jeden Tag 24 Stunden lang minus 18 Grad haben muss. Strom ist für uns so selbstverständlich, dass wir uns schon lange nicht mehr überlegen, wo diese irrsinnige Menge für uns Wohlstandsgesellschafter überhaupt herkommt. Es ist furchtbar, aber die Lehre aus Japan ist, dass wir entweder die nächsten 20, 30 Jahre Angst haben müssen. Oder unsere Fernseher und unsere Kühlschränke abschalten.
Christian Eigler: Jetzt ist er ein Held
07. März 2011Im Fußballgeschäft von heute ist man schnell ein Star, ein Held. Das Problem ist nur, dass man noch viel schneller wieder ein Versager ist, ein Trottel. Man muss diesen Druck aushalten können als junger Mensch, es ist nicht einfach, und es ist vor allem oft ungerecht. Der Spieler Christian Eigler hat viel von dieser Ungerechtigkeit erfahren in den letzten zweieinhalb Jahren beim 1. FC Nürnberg. Es ist nicht mehr genau festzumachen, warum die Fans ausgerechnet ihn ausgepfiffen haben an Tagen, an denen doch auch die anderen schlecht waren. Vielleicht lag es daran, dass er einst in Fürth gespielt hat oder dass er einfach einen schlechten Zeitpunkt für seinen Einstand erwischte damals, im Jahr nach dem zweitärgerlichsten Abstieg der Vereinsgeschichte. Dabei hat der Spieler Christian Eigler einen maßgeblichen Anteil an den beiden erfolgreichen Relegationen gehabt, er ist gelaufen, bis ihm die Zunge aus dem Hals hing, aber geliebt haben wir ihn trotzdem nicht. Jetzt hat er vier Tore in einem Spiel geschossen, nur der unvergleichliche Franz Brungs hat so etwas je geschafft. Es ist gut möglich, dass Christian Eigler am Samstag das Spiel seines Lebens gemacht hat. Auf jeden Fall war es sein Spiel gegen die Ungerechtigkeit. Denn wenn man so lange dafür gearbeitet hat, ein Held zu sein, dann geht es so gut wie nie mehr zurück zum Versager.

